Traumberuf Model

Aussehen allein reicht für die große Karriere nicht aus

Model ist für viele junge Mädchen ein Traumjob. Doch die Wirklichkeit sieht oft anders aus. Unseriöse Agenturen versprechen viel und halten wenig.

Die Kamera klickt im Sekundentakt. Das Objektiv ist auf eine junge Frau mit langen, blonden Haaren gerichtet. Sie arbeitet als Model und lebt so den Traum vieler Mädchen. Doch Experten warnen vor zu großen Hoffnungen: Sich durchzusetzen ist nicht leicht. Zahlreiche unseriöse Agenturen tummeln sich in der Branche. Der Dresdner Günter Weig ist Chef der Agentur "W-Models" und weiß, dass viele seiner weiblichen Schützlinge mit den Maßen 90-60-90 beste Voraussetzungen für den Job mitbringen. "Die Anforderungen in diesem Geschäft sind knallhart", sagt Weig. "Die Mädchen sollten zwischen 1,74 und 1,79 Meter groß sein und die Kleidergröße 34 oder 36 haben." Die Altersgrenze bei den Models ist in letzter Zeit immer weiter nach unten gegangen. Haben Mädchen vor ein paar Jahren noch mit 16 Jahren ihre Karriere begonnen, sind sie heute oft nicht älter als 13.

Schattenseiten kamen in der Vergangenheit ans Licht

Nur die wenigsten können von ihren Modelaufträgen später auch leben. Für viele bleiben sie ein Nebenverdienst. Weig hat viele seiner Models auf der Straße entdeckt. "Ich gebe ihnen dann meine Visitenkarte. Wer Interesse hat, ruft mich an", sagt er. Oft kommen Bewerbungen per Post oder über das Internet. "Davon ist allerdings 80 Prozent Müll", so der Experte. Auch Christine Beutmann wurde vor mehr als zehn Jahren von Weig auf der Straße angesprochen. Heute ist die gebürtige Dresdnerin ein weltweit gefragtes Model. Doch der Erfolg kam bei ihr nicht über Nacht. "Anfangs habe ich nur kleinere Sachen für Zeitungen gemacht", erzählt die mittlerweile 31-Jährige. 1994 wurde Christine von ihrer Agentur zu einem Model-Wettbewerb geschickt und gewann. "Trotzdem musste ich noch zwei Jahre von Casting zu Casting tingeln, ehe es richtig losging." Jetzt arbeitet sie für namhafte Firmen. Doch in der Modebranche kamen vor ein paar Jahren auch die Schattenseiten ans Licht. Die Medien berichteten über Drogen- und Alkoholexzesse minderjähriger Mädchen. "Ich habe oft zwielichte Typen erlebt, die junge Models gern zu komischen Sachen überreden", erzählt Christine. In Mailand sei es am schlimmsten. "Wichtig ist es deshalb, zu wissen, was man will und was nicht. Die Mädchen müssen nicht jedes Angebot annehmen."

Katalogtyp mit einem symmetrischen Gesicht

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich an den Verband der von der Bundesanstalt für Arbeit lizenzierten Modelagenturen (VELMA) wenden. Dort sind alle geprüften und international tätigen Agenturen erfasst. Auch die Schauspielerin Sylvia Leifheit hat als Ex-Model jahrelange Erfahrungen in der Branche und inzwischen eine eigene Agentur gegründet. "Unsere Kunden in Deutschland wollen fast immer den Katalog-Typ mit einem symmetrischen Gesicht. Extremes ist da nicht gefragt." Ganz anders sei es in Paris oder Mailand. "Dort haben auffällige Typen sehr gute Chancen." Der Verdienst eines Models hängt von mehreren Faktoren ab. "Es geht bei etwa 500 Euro pro Tag los. Je nach Berufserfahrung kann sich das von 750 bis 2.250 Euro für Werbeeinnahmen erhöhen", sagt Leifheit. Nach oben hin sind keine Grenzen gesetzt. Bei der Agentur von Sylvia Leifheit "Most wanted models" sind etwa 150 Mädchen unter Vertrag. Fast jedes träumt vom internationalen Durchbruch. Doch Aussehen, Körpergröße und Alter allein sind keine Garanten für den Erfolg. "Das Model muss wissen, dass dies ein Job ist, den man kontinuierlich sehr ernst nehmen muss." Nur wer diese Einstellung habe, könne lange erfolgreich sein und den Traum tausender Mädchen leben.

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